Flugtauglichkeit

Jeder Pilotenanwärter muss seine flugmedizinische Tauglichkeit beweisen indem er ein ärztliches Zeugnis vorlegt.

Die Gültigkeitsdauer der Tauglichkeitsbescheinigung ist abhängig vom Alter der Person:

  • Bewerber unter 30 Jahre: 60 Monate Gültigkeit bis maximal zum 32. Lebensjahr
  • Bewerber bis 50 Jahre: 24 Monate Gültigkeit bis maximal zum 51. Lebensjahr
  • Bewerber ab 50 Jahre: 12 Monate Gültigkeit

Das Verfahren

Der Untersuchungsablauf beinhaltet eine ausführliche Anamnese, eine gründliche körperliche Untersuchung, einige Tests (Hörtest, Sehtest), Blut- und Urinuntersuchungen sowie bei Frauen einen Schwangerschaftstest. Wenn die Eignungsuntersuchung nicht alle Kriterien erfüllt, die die Richtlinien vorschreiben, so ist der Bewerber nicht tauglich.

Folgende Erkrankungen führen zu Fluguntauglichkeit:

  • Ohnmachtsanfälle durch niedrigen Blutdruck, Koronare Herzkrankheit, Herzinfarkt, Bypassoperationen oder Gefäßprothesen
  • Asthma und andere krankhafte Veränderungen der Lunge, die eine Leistungsminderung der Lungenfunktion verursachen
  • Chronisch entzündliche Erkrankungen des Magen-Darm-Traktes (z. B. Colitis ulcerosa oder Morbus Crohn) und Hernien (Leistenbruch, Narbenbruch oder Hodenbruch)
  • insulinpflichtiger Diabetes mellitus und ein BMI (Body Mass Index;Körpermassen-Index) über 35 kg/m²
  • Leukämie (Blutkrebs), chronische Milzvergrößerung, Sichelzellanämie, Störungen der Blutgerinnung
  • Nierensteine, Nierenkoliken und andere relevante Nierenerkrankungen
  • Erkrankungen der Augen, Sehorgane und Sehkraft
  • relevante Krankheiten des Ohres, Missbildungen und Stimm- oder Sprachstörungen
  • Infektionskrankheiten, Hautkrankheiten die zu einer Beeinträchtigung der Tätigkeit führen
  • Missbildungen, Verlust von Gliedmaßen oder Krankheiten, die zu einer Funktionseinschränkung führen
  • Psychologische Auffälligkeiten

Grundsätzlich gilt, dass jede Erkrankung, die eine Beeinträchtigung der Tätigkeit zur Folge hat, zu einer Fluguntauglichkeit führt. Außerdem wird auf die Fitness des Bewerbers geachtet und der Impfausweis ist mitzubringen.

Ihr Nutzen

Die Eignungsuntersuchung zur Bestimmung der Flugtauglichkeit ist unabdingbar, da ein Pilot sowohl sehr hohen psychischen als auch physischen Belastungen ausgesetzt ist.

Der Test garantiert die notwendige Sicherheit im Fluggewerbe.

Tauchtauglichkeitsuntersuchung

Eine Tauchtauglichkeitsuntersuchung sollte regelmäßig von allen Tauchern, Anfängern wie Fortgeschrittenen durchgeführt werden. 

Die Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) empfiehlt für gesunde Personen zwischen dem 18. und 40. Lebensjahr ein Untersuchungsintervall von drei Jahren. Für alle anderen Personen und bei medizinischen Auffälligkeiten (relative Kontraindikationen (Gegenanzeigen): z. B. Otitis externa (Gehörgangsentzündung), gut eingestelltes Asthma bronchiale (bei stabiler Lungenfunktion), chronisches Vorhofflimmern (VHF) mit guter Frequenzkontrolle bei normaler Belastbarkeit ohne einschränkende Grunderkrankung) verkürzt sich das Intervall auf ein Jahr.

Die offiziellen Tauglichkeitszertifikate der Gesellschaft für Tauch- und Überdruckmedizin (GTÜM) dürfen von allen Ärzten, die sich an die aktuellen Richtlinien der Gesellschaft halten, ausgestellt werden.

Das Verfahren:

Zur Tauchtauglichkeitsuntersuchung gehören:

Ausführliche Anamnese
Vorerkrankungen (inkl. Operationen)
körperliche Leistungsfähigkeit
taucherischer Ausbildungsstand
psychische Situation
Sichtung aktueller Befunde
Medikamentenanalyse
Kritische Überprüfung aller Medikamente, insbesondere von Antidepressiva (Arzneimittel gegen Depressionen), Antiemetika (Arzneimittel gegen Übelkeit), Antihistaminika (Arzneimittel, die die Effekte der körpereigenen Substanz Histamin aufheben), Antikonvulsiva (Arzneimittel, die zur Behandlung bzw. Verhinderung von Krampfanfällen eingesetzt werden), Antipsychotika (Neuroleptika) (Arzneimittel, die eine sedierende und antipsychotische – den Realitätsverlust bekämpfende – Wirkung haben), Narkotika (Betäubungsmittel) und Stimulanzien des Zentralnervensystems
Körperliche Untersuchung (unter Berücksichtigung der Untersuchungsbögen der Fachgesellschaften: GTÜM; ÖGTH); Untersuchung bzw. Beurteilung:
Haut, Augen
Trommelfell per Otoskopie (Ohrenspiegelung; visuelle Inspektion/Betrachtung der Trommelfellbeweglichkeit)
Druckausgleich nach Valsalva (Valsalva-Versuch)
Durchführung: Kräftige Exspiration (Ausatmung) gegen verschlossene Mund- und Nasenöffnung. Dabei Anspannung der Atemmuskulatur und Bauchmuskulatur, was den Luftdruck in den Luftwegen erhöht. Über die Eustachi-Röhre kommt es beim Valsalva-Versuch zum Druckausgleich zwischen Nasen-Rachen-Raum und Mittelohr (= Belüftung des Mittelohres).
Valsalva positiv: Bei intaktem Trommelfell wölbt sich dieses dabei nach außen, was mittels eines Otoskops (Ohrenspiegelung) beobachtet werden kann.
Auskultation (Abhören) von Herz und Lunge
Palpation (Abtasten) des Abdomens
orientierende Untersuchung des Bewegungsapparates
orientierende neurologische Untersuchung
Ruhe-EKG – Untersuchung der elektrischen Aktivität des Herzens während der Belastung und in Ruhe
Belastungs-EKG ab dem 40. Lebensjahr, bei auffälliger Anamnese auch bei unter 40-Jährigen – Untersuchung der elektrischen Aktivität des Herzens während der Belastung (Fahrradergometrie)
Spirometrie (Lungenfunktionstest: Vitalkapazität (VC), Einsekundenkapazität (FEV1), forcierte Vitalkapazität (FVC); FEV1/FVC))
Urinuntersuchung mittels Streifentest (pH-Wert des Urins, Proteine, Glucose, Nitritgehalt, Bilirubin, Ketone)
Blutuntersuchungen (fakultativ)
Sportmedizinische Beratung


Absolute Kontraindikationen (Gegenanzeigen) für eine Tauchtauglichkeit (Ein Anspruch auf Vollständigkeit besteht nicht!):

Ohr:
deutliche Gehörgangsschwellung
akute Tubendysfunktion bei nicht funktionierendem Druckausgleich
Trommelfellperforationen
Hörsturz (mit vestibulärer Symptomatik; Hörsturz bzw. Tinnitus (Ohrgeräusche) im Akutstadium)


Lunge:
akute Bronchitis
unkontrolliertes Asthma bronchiale
Belastungs- und/oder Kälte-induziertes Asthma
Exazerbation (Krankheitsschub; akute Verschlechterung) eines Asthma bronchiale
Chronisch obstruktive Lungenerkrankung (COPD) mit Einschränkungen der Lungenfunktion (Stadium 2 nach GOLD: FEV1 80-50 % vom Soll;
FEV1/FVS < 70 %)
akute Exazerbation einer COPD
Lungenemphysem (irreversible Überblähung der kleinsten luftgefüllten Strukturen (Lungenbläschen, Alveolen) der Lunge)
Lungenzysten/Bullae (größere Blasen), Bronchiektasen (Synonym: Bronchiektasie; irreversible sackförmige oder zylindrische Ausweitungen der mittelgroßen Atemwege (Bronchien))


Herz:
Herzrhythmusstörungen:
behandlungsbedürftige Tachykardien (> 100 Herzschläge pro Minute)) mit und ohne strukturelle Herzerkrankungen
Supraventrikuläre Extrasystolen (Herzextraschlag, der oberhalb des Ventrikels (Herzkammer) entsteht) mit Bewusstseinsstörungen
Komplexe Arrhythmien
< 1 Jahr nach akutem Koronarsyndrom (ACS; Phasen der koronaren Herzkrankheit (KHK), die unmittelbar lebensbedrohlich sind); ebenso danach, wenn Angina pectoris (Brustenge, Herzschmerz), Herzinsuffizienz (Herzschwäche), reduzierte Ventrikelfunktion (Herzkammerfunktion) oder behandlungsbedürftige Rhythmusstörungen vorliegen
hämodynamisch wirksame Vitien (Herzfehler, die die Strömungsmechanik des Blutes (Hämodynamik) wirksam beeinflussen): z. B. Aorten- und Mitralstenose (Herzklappenfehler, bei dem die Öffnung der Aortenklappe/Mitralklappe eingeengt ist) mit Klappenöffnungsflächen von < 1,5 cm²
persistierendes Foramen ovale (PFO; Öffnung des Vorhofseptums) – erhöhte Gefahr von Embolien (Verschluss eines Gefäßes); klinisch entsteht das Bild einer Dekompressionserkrankung (DCI, englisch decompression illness; Taucherkrankheit) unklarer Genese (Ursache)
In der Schwangerschaft sollte wegen der Gefahr einer möglichen Teratogenität (Fruchtschädigung) nicht mit Druckgasgeräten getaucht werden.

Die Tauchtauglichkeit erlischt:

bei akuten Erkrankungen bis zur vollständigen Genesung
bei Belüftungsstörungen jeglicher Art
nach schweren Erkrankungen*
nach operativen Eingriffen*
nach einem Tauchunfall*
*In diesen Fällen ist eine erneute tauchmedizinische Untersuchung erforderlich!

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